Question: Wie viel Freizeit hat man im Leben?

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Damit Arbeits- und Privatleben im Gleichgewicht sind, braucht der Mensch jeden Tag sechs Stunden und 59 Minunten Freizeit, so das Ergebnis einer vom Konzern durchgeführten Studie.

Von Yvonne Eisenring Wie geht Leben? Das frage ich mich oft. Nicht, weil ich in einer Krise stecke oder unzufrieden bin. Im Gegenteil: Ich habe das Gefühl, dass ich Glück habe mit meinem Leben.

Momentan gerade irrsinnig viel Glück. Ich habe nun etwa ein Drittel hinter mir. Vorausgesetzt, ich werde schön alt. Was nicht unbedingt so sein muss. In meiner Familie wurden viele nur knapp fünfzig. Ihr früher Tod prägte mich und bestimmt heute meinen Alltag: Ich lebe so, als hätte ich nicht mehr lange Zeit. In der Videokolumne «Wie geht Leben? » besucht Yvonne Eisenring Schweizerinnen und Schweizer, die im dritten Drittel des Lebens angekommen sind, und blickt mit ihnen zurück.

Wir freuen uns auf Ihre. Ich habe oft das Gefühl, mit dem Leben gerade erst angefangen zu haben. Wie ein Kleinkind, das verzückt umherspringt, leicht ungläubig und mitunter orientierungslos.

Mitte zwanzig war das anders. Ich dachte, alles verstanden und durchschaut zu haben. Ich lebte nach Regeln und Theorien und fühlte mich erwachsen. Ich war es wohl auch — verglichen mit jetzt.

Ich hatte vor fünf Jahren deutlich mehr Ruhe und Sicherheit im Leben und mehr Geld auf dem Konto. Je älter, desto risikofreudiger werde ich. Ich laufe lieber zickzack und auch mal in eine Sackgasse, als dass ich abwarte, bis ich genau weiss, wohin ich gehen muss. Es gibt keine allgemeingültigen Regeln und Theorien fürs Leben. Geschichten von Menschen, die weiser sind. Die schon viel gesehen und erlebt haben. Menschen, die dreimal so viel Leben hinter sich Wie viel Freizeit hat man im Leben?

wie ich.

Wie viel Freizeit hat man im Leben?

Sie stehen am Balkon des Lebens. Ich habe zehn von ihnen getroffen. Denn wer, wenn nicht sie, weiss, wie Leben geht? Iris Vetsch redet sehr leise, was erstaunt, wenn man erfährt, wie energisch sie sich unter anderem für die Rechte der Frau einsetzte. Sie sitzt am Fenster Wie viel Freizeit hat man im Leben? ihrem Zimmer im Alterszentrum Kluspark in Zürich und zeigt auf ein Bild an der Wand: «Meine Urgrossmutter!

» Von ihr habe sie die Nase und den Kampfgeist geerbt. Um sich für das Frauenstimmrecht zu engagieren, gründete sie eine überparteiliche Frauengruppe und präsidierte in der Frauenzentrale im Kanton Aargau die Sozialmedizinische Kommission. «Ich wollte, dass es vorwärtsgeht, dass Frauen etwas machen können!

Kennen gelernt hat sie ihn im Skiclub Wohlen. Er, zwei Jahre jünger als sie, habe für sie beide immer eine Büchse Spargeln zum Skifahren mitgenommen. «Obwohl ich Spargeln gar nicht mochte. » 1958 heirateten sie und wurden Eltern von einem Sohn und einer Tochter. Nach 34 Jahren trennte sie sich von ihrem Mann und dann — damit habe sie und auch ihr Umfeld nicht gerechnet — lernte sie mit 68 Jahren einen neuen Wie viel Freizeit hat man im Leben?

kennen. «Wir haben uns per Zufall innert zwei Wochen zweimal beim Zürcher Sorell-Hotel Rigiblick getroffen. » Beim zweiten Mal habe er gefragt, ob er sie zum Essen einladen dürfe. Er durfte, und sie machten an einem Sonntag einen Ausflug zum Rheinfall. », sagt die 86-Jährige und schmunzelt. Nachdem ihr zweiter Lebenspartner letztes Jahr verstarb und sie einen Schenkelhalsbruch erlitt, kam sie in den Kluspark. Ihr gefalle es ausserordentlich gut hier.

Sie gibt mir das Monatsprogramm des Parks mit den verschiedenen kulturellen Angeboten mit und stellt uns stolz die Gärtnerin vor. Bevor wir gehen, betont sie erneut, dass ihr die Sache mit dem vollen Glas wichtig sei.

So zufrieden und aufgestellt, wie ich Iris erlebt habe — beim Verabschieden sagt sie verschwörerisch «Wir sind jetzt per Du, gäll! » —, glaube ich, dass es keine schlechte Taktik Wie viel Freizeit hat man im Leben?, manchmal auch die Luft Wie viel Freizeit hat man im Leben?. Amy Bollag lernte in St. Moritz eine Frau mit einem schönen sächsischen Dialekt namens Thea kennen. Drei Wochen später war er mit ihr verlobt. Nur drei Monate später heirateten sie. Nach der Hochzeit begann Amy in einer Getreidefirma zu arbeiten und schleppte tagein, tagaus 100-Kilo-Säcke.

Er hätte früher kündigen müssen, sagt er heute. Aber er habe geglaubt, weil die ganze Verwandtschaft seiner Mutter unter den Nazis umgekommen sei, müsse auch er, zumindest für eine gewisse Zeit, ein «schweres Leben durchmachen». Als er nach 18 Jahren, die er unter einem grausamen Chef schuftete, endlich die Kündigung einreichte, war sein letzter Lohn so hoch, wie der erste Lohn seines Sohnes: 1850 Franken im Monat.

Er sage immer die Wahrheit, versichert er mehrmals. Ausser es sei etwas Negatives. Das habe er lernen müssen. Dass er das nicht einfach sagen könne, auch wenn es wahr sei. Er sitzt mit seiner Frau Thea an einem kleinen Tischchen in ihrem Wohnzimmer. Ich könnte fast Werbung dafür machen! », sagt Thea und lacht. Ihr Haus ist ein Museum. An den Wänden hängen dicht nebeneinander unzählige Fotos von ihnen, ihren vier Kindern, den Enkeln und Urenkeln, dazwischen Zeichnungen von Amy und ausgeschnittene und eingerahmte Zeitungsartikel.

Amy Bollag hat bis vor einem Jahr als Illustrator und Karikaturist für verschiedene Zeitungen gearbeitet. Nur weil seine Sehkraft nachliess, hörte er mit 93 auf. Dass er ein grosses, zeichnerisches Talent besitzt, ist nicht zu übersehen. Aber über seine Karriere und Erfolge spricht Amy Bollag deutlich weniger als über das Wunder, dass er und seine Frau sich damals vor 66 Jahren trafen, und über Wunder allgemein.

Er glaube auch an Träume: «Alle grossen Geschichten beginnen mit einem Traum! » Wir sitzen auf der Terrasse des alten Hauses, rundherum Berge und auf dem Kirschbaum «Gwägge» aka Krähen.

Vor uns liegt der Bristenstock, ein 3000er. Das bereue sie, sagt die 86-Jährige, dass sie nie auf dem Gipfel gestanden sei. Vor einem Jahr hat sie sich den Oberschenkel gebrochen, «einfach auf dem Glatteis auf der Terrasse ausgerutscht, der Knochen stand zehn Zentimeter weit raus», das habe ihr Leben verändert.

Sie sei doch immer so selbstständig gewesen, jetzt könne sie nur noch dank der Hilfe ihrer vier Kinder und Enkel in den eigenen vier Wänden leben. Im Haus sind alle Schränke mit ihren eigenen Bauernmalereien verziert und überall hängen wunderschöne Landschaftsbilder, die sie selber malte.

Sie hat ihr ganzes Leben in dieser Gegend verbracht, heute lebt sie in Ripshausen bei Erstfeld, aufgewachsen ist sie mit sieben Geschwistern unweit von hier «bei der Seilbahnstation». Ihre Mutter sei eine liebe, aber strenge Frau gewesen, der Vater «ein ganz Lieber». Er habe ständig körperliche Probleme gehabt. Anna Gisler absolvierte die Bergheimatschule, eine Ausbildung für Bäuerinnen, und heiratete mit 21 «den Gisler Josef».

«Die Mutter schaute immer, dass wir nicht ungestört sind, und schickte ein Geschwister mit. » Fünf Jahre nach der Hochzeit — Anna Gisler wurde bald Mutter und schaute den Kindern und dem Haushalt — starb ihre Schwiegermutter, und der Schwiegervater sowie seine zwei erwachsenen Söhne zogen zu ihnen.

Da habe sie gelernt zu schweigen. «Sonst wäre die Situation eskaliert. » Das sei auch das Rezept für ihre Ehe gewesen: 65 Jahre dauerte diese. Vor zwei Jahren ist ihr Mann gestorben. Wenn man in Frieden leben wolle, müsse man schauen, dass es «keinen Meis» gebe. Röbi — er bietet sofort das Du an, wenn man seine Wohnung im Zürcher Seefeld betritt — redet und bewegt sich deutlich langsamer als sein gleichaltriger Lebenspartner Ernst.

Sein Körper wolle einfach nicht mehr. Das sei unheimlich schwer zu akzeptieren. Der Kopf funktioniere noch gut, aber er habe keine Kraft mehr. Ist sie aufgebraucht, die Kraft?

Röbi sagt, schwul sein, Wie viel Freizeit hat man im Leben? einer Zeit, als Schwule gezwungen waren, ein Doppelleben zu führen, habe manchmal enorm viel Kraft gebraucht, klar. Aber er habe es vergleichsweise einfach gehabt. Als er Ernst kurz nach ihrem Wie viel Freizeit hat man im Leben? nach Hause mitnahm, sagte seine Mutter nur: «Jetzt habe ich zwei Söhne. » Sein Vater erfuhr nie von seiner Homosexualität. Er nahm sich das Leben, als Röbi sieben war. Röbi arbeitete zuerst als Coiffeur, dann als Dokumentalist.

In seiner Freizeit spielte er Theater: «Frauenrollen lieber und besser als Männerrollen! » Er habe ein unglaubliches schauspielerisches Talent, sagt Ernst sichtlich stolz. Beide betonen, wie sehr sich das Leben seit Beginn ihrer Freundschaft verbessert habe. Sie sagen ausschliesslich Freundschaft, obwohl sie Wie viel Freizeit hat man im Leben? 62 ein Liebespaar und seit 15 Jahren verheiratet sind.

Liegt es an der Freiheit, die sie sich gewährten, dass ihre Freundschaft so lange hält? Ihre Liebhaber teilten sie sich nicht selten.

Als Röbi geschäftlich länger Wie viel Freizeit hat man im Leben?

Wie viel Freizeit hat man im Leben?

Beirut musste und Ernst in Zürich lebte, «besuchte» sie abwechselnd der gleiche Flight-Attendant. Wenn man die Eifersucht erstmals bekämpft habe, dann ja. «Das musste ich aber zuerst lernen», gibt Röbi zu.

«Aber du hast doch gewusst, dass ich dich nie verlassen werde! », sagt Ernst energisch und Röbi nickt langsam, ja, das habe er eigentlich immer gewusst. An die Tiefe ihrer Freundschaft käme niemand ran. Dass sie sich kennenlernten, sei Zufall gewesen, sagen beide.

Ich bin unschlüssig, ob ich an Zufall oder Schicksal glauben soll. Aber wovon ich nach diesem Besuch überzeugt bin: Das Leben hält ein paar verdammt gute Zufälle bereit. Uta Buhls Hand steckt in einem Verband. Der kleine Finger ist gebrochen. «Wir waren auf der Autobahn, ich sass auf dem Beifahrersitz und konnte eine Verpackung nicht öffnen. Der Fahrer wollte helfen, bat mich, das Steuer zu halten. Ich weiss nicht mehr, wie es passierte, aber wir fuhren direkt auf die Leitplanke zu.

Im letzten Moment konnte er das Steuer rumreissen. » Der Finger wurde mitgerissen, sagt sie grinsend und zündet sich eine Zigarette an. Man müsse den Lastern frönen, solange man könne, sagt sie schmunzelnd.

Uta Buhl ist 1939 im deutschen Weil am Rhein aufgewachsen. Ihr zwölf Jahre älterer Bruder musste in die Unteroffiziersschule, als sie zur Welt kam, und mit 16 an die Front. » Er sei fünf Jahre in russischer Gefangenschaft gewesen. Sie selber habe die Kriegszeit unbeschwert erlebt. Aber ihre Angst vor Räumen mit Röhren stamme von dieser Zeit. Diesen Zusammenhang habe sie lange nicht realisiert. «Aber bei Fliegeralarm mussten wir uns im Keller verstecken, und der war voller Leitungen.

Mit 18 heiratete sie einen Italiener in Wie viel Freizeit hat man im Leben?. Nach vier Jahren liess sie sich scheiden — «ich sah keine Zukunft mit ihm» — und nahm eine Stelle als Sekretärin in der Firma ihres zukünftigen Mannes an. Fünf Jahre später haben sie geheiratet. Mit 29 wurde sie das erste Mal Mutter eines Sohnes. Zwei Jahre später war sie wieder schwanger — mit Zwillingen, wie sie im siebten Monat erfuhr. Bei der Geburt habe einer der Söhne nur 2,3 Kilo gewogen, ein Drittel weniger als der andere.

«Er sah aus wie eine Fledermaus. » Sie hat sich um die Familie gekümmert und nebenbei viele Jahre als Korrespondentin für zwei Fachzeitschriften in Deutschland gearbeitet. Heute ist sie im Vorstand des Verbandes internationaler Fachjournalisten, sagt sie stolz, und führt uns durch ihr grosses Haus. Der Kopfteil ihres Bettes steht unter einer Bücherwand. Die Regale hängen unter den Gewichten durch. Ob sie Angst habe, dass sie brechen, frage ich. Das werde erst passieren, wenn die Kerze des Lebens runtergebrannt sei.

«Aber das ist sie noch nicht, sonst wäre ja jetzt kürzlich nicht nur der Finger kaputtgegangen. » In seinem Zimmer im Alterszentrum am Etzel in Feusisberg steht ein iMac, daneben liegt ein iPad und in der Hand hält Walter Daepp ein Smartphone.

Solche modernen Gadgets sehen wir bei unseren «Wie geht Leben? Computer haben ihn schon immer fasziniert, erklärt er. «Die waren damals riesig, konnten aber im Gegensatz zu meinem jetzigen Mac nichts», erzählt er. Bis zu seiner Frühpensionierung arbeitete er bei der Firma in Baden und wohnte einen Steinwurf entfernt mit seiner Familie in einer modernen Wohnung.

» Geheiratet hat Walter Daepp 1960. Die Jahreszahlen hat er fein säuberlich aufgeschrieben und in einem Ordner abgelegt.

Wie viel Freizeit hat man im Leben?

Sie hätten bei der Hochzeit «natürlich einen Car gemietet» und seien damit über den Sattel gefahren. «Gefeiert hat man dann im Engel in Wädenswil. » Er erzählt von den verschiedenen Reisen mit seiner Frau Vreni und dass er sich habe unterbinden lassen, was früher noch eine Seltenheit, «aber doch wirklich die beste Lösung» gewesen sei. Seine Vreni starb mit 62 an Krebs. Zwölf Jahre nach ihrem Tod nahm er Kontakt zu seiner allerersten Freundin auf: Thea.

Er wusste dank seiner Mutter, wen sie geheiratet hatte, respektive, wie sie nun mit Nachnamen hiess. Diese Info habe er damals wohlweislich in sein Notizheft geschrieben. Denn obwohl er es wunderschön gehabt hätte mit seiner Frau Vreni, seine erste Liebe hat er all die Jahre nie vergessen.

Damals mit Mitte zwanzig sei diese Beziehung zu Ende gegangen, weil er beruflich nach Genf zog. Fünfzig Jahre später schrieb er Thea einen Brief.

Auf den Briefwechsel folgten Telefongespräche. Beim ersten Treffen sei er wahnsinnig nervös gewesen. Sie hätten sich ja ein halbes Jahrhundert nicht mehr gesehen. Es ist, als wäre das Sprichwort «Alte Liebe rostet nicht» für Walter Daepp erfunden worden: Ein Jahr nach der Kontaktaufnahme, am 30.

Juni 2005, kam Thea zu ihm und blieb, bis sie elf Jahre später an Lungenkrebs starb, bei ihm. Alfons Bürgler führt uns durch das «Baumfigurenkabinett» in Steinen, Schwyz. Im kleinen Museum, wenige Meter von seiner Wohnung entfernt, sind einige seiner Skulpturen aus Ästen ausgestellt.

In einem Haus in der Dorfmitte, das er kürzlich kaufte, sollen bald viele seiner anderen Kunstwerke «wohnen». Er selber lebt in einer sehr günstigen, einfachen Wohnung. Will er warm duschen, muss er bei der Vermieterin anklopfen. Er sei sich das einfache Leben gewohnt. Seine Mutter ist bei seiner Geburt verblutet. Die zweite Frau des Vaters starb acht Monate nach der Hochzeit an Tuberkulose.

Mit der dritten Frau hatte sein Vater weitere fünf Kinder. Dass sie sehr arm waren, hat Alfons Bürgler nicht gestört. Wie viel Freizeit hat man im Leben? für die «wüsten» Kleider habe er sich geschämt und deshalb eine Schneiderlehre gemacht. «Damit ich mir meine Kleider selber nähen konnte.

» Mit 33 hängte er seinen Job an den Nagel, arbeitete fortan Teilzeit als Buchhalter, daneben widmete er sich der Kunst. Nach seiner Scheidung mit 57 zog er für neun Jahre in die Natur — in eine Waldhütte bei Arth-Goldau.

Kein fliessendes Wasser, keine Elektrizität, nichts. «Am Morgen war es manchmal unter null Grad in der Hütte. » Ich habe noch nie jemanden getroffen, der absichtlich für so lange Zeit auf ein Mindestmass an Luxus verzichtet und dies sogar geniesst.

Aber Alfons Bürgler ist auch der erste Mensch, den ich kennen lerne, der sagt, er wolle einmal langsam sterben. Er wolle keinen Herzstillstand oder einfach einschlafen, nein, er wolle den Tod erleben, dabei sein. Lieber krank werden und dann langsam ableben. Wie sein Vater, der nach einer Krebsdiagnose nur noch Wasser zu sich nahm, immer dünner wurde, bis auf die Knochen abmagerte, dann alle seine elf Kinder zu sich rief und verkündete, dass er diese Nacht sterben werde.

«Er hat um Mitternacht einen Stumpen verlangt, drei Züge genommen. Fünf Minuten später hat er nicht mehr geatmet. » So wolle er auch einmal sterben. Aber daran will und muss der 82-Jährige noch nicht denken. Dreimal die Woche fährt er nach Luzern oder Zürich, um Lindy Hop tanzen zu gehen.

Alfons Bürgler ist kerngesund und wenn er lacht, wirkt er fast jugendlich. Vielleicht liegt es an den Brennnesseln, die er täglich verspeist. Als Anny Schmid sechs Jahre alt war, verlor sie ihre rechte Hand. Ein Unfall in der Bäckerei ihres Vaters. Sie griff in eine grosse Häckselmaschine, wollte einen Birnstiel rauszupfen.

Hätte der Vater nicht so schnell die Maschine abgestellt, wäre der Armstumpf bestimmt über dem Ellbogen, sagt sie. Mit 13 erlag ihre Mutter einem Darmleiden, innert einer Woche war sie tot. Ein halbes Jahr später erkrankte ihr Vater an einer Hirnhautentzündung. Nur ein Wunder könne ihn retten, sagten die Ärzte. Er überlebte, doch das Medikament zerstörte Teile des Nervensystems. Ihr Vater, ein angesehener Mann — «er war der Gründer von so vielen Vereinen und kleidete zig Ämter hier in Wangen, Schwyz» — verlor das Augenlicht.

Drei Monate nach seiner Erblindung heiratete er wieder. Mit seiner zweiten Frau bekam er weitere drei Töchter. «Insgesamt waren wir 6 Kinder», erzählt Anny Schmid, während sie uns zügig durch das «Höfli» führt. Ihr Vater errichtete das Behindertenheim in Wangen vor über dreissig Jahren.

Er habe beweisen wollen, dass man auch als Blinder etwas bewirken könne. Anny Schmid half ihm von Anfang an und übernahm später für zwanzig Jahre die Leitung: «Ich wollte beweisen, dass auch wir Behinderte vollwertige Bürger sind! » Heute wird das Heim von ihrer Tochter geführt. Anny Schmid wird überall herzlich begrüsst, und als ein Bewohner ausfällig wird — «man spürt, dass morgen Vollmond ist! », erklärt sie sein Verhalten —, tadelt sie ihn. Sie sei wie eine Grossmutter für die 37 Bewohner und zwölf Tagesgäste.

Letztes Wie viel Freizeit hat man im Leben? hat sie sich die gesunde Hand gebrochen das sei «schaurig mühsam» gewesen. Sie schreibe doch so gerne Dankeskarten, das konnte sie mit der gebrochenen Hand nicht mehr tun. Vor einigen Jahren erlitt sie zudem einen Hörsturz, und als ihre Tochter an Hautkrebs erkrankte, sei sie um Jahre gealtert. Davon spürt man allerdings nichts. Anny Schmids Energie ist beeindruckend. Für manche Menschen sind Hürden keine Bremsen, sondern Ansporn, überlege ich.

Wenn mir Anny Schmid sagt, dass man alles schaffe, wenn man es ganz fest will, glaube ich ihr jedenfalls aufs Wort. In Gross, einem kleinen Dorf mit ein paar Hundert Einwohnern oberhalb von Einsiedeln, ist Martha Gisler auf einem Bauernhof mit fünf Geschwistern aufgewachsen.

Nach sieben Jahren Schule begann sie als Magd zu arbeiten. Von den 40 Franken, die sie monatlich verdiente, musste sie 35 nach Hause schicken. Eigentlich habe sie ihr Leben lang nichts anderes gemacht, sagt sie. Aber der Job hatte durchaus gute Seiten: «Ich hatte zum ersten Mal ein eigenes Bett! » Zu Hause schliefen sie immer zu zweit auf einer Matratze. Es folgten weitere Anstellungen als Magd. Zwischendurch arbeitete sie in einer Buchbinderei, dann in einer Käserei.

Wenn sie nicht arbeitete, ging sie zu den Eltern auf den Hof und arbeitete dort mit. Mit dreissig heiratete sie — für damalige Verhältnisse sehr spät. In Venedig besuchten sie eine Kirche. Weil mein Oberteil ärmellos war. » Ihr Mann Ruedi — er stammte ebenfalls aus armen Verhältnissen und hatte 16 Geschwister — war Chauffeur.

Auf dem Bau arbeitete er manchmal ebenfalls. Martha Gisler kümmerte sich um die drei Kinder und «ein Spaniermeiteli», welches sie hütete. «Im Nachhinein wundere ich mich, wie wir durchkamen. » Ihr Mann sei fast nie zu Hause gewesen. «Er hatte immer eine Ausrede, war ständig auf der Leutsch. » Trennen wollte sie sich nicht. Sie habe schliesslich einmal Ja gesagt. Er starb 1991, da war Martha Gisler 58 Jahre alt. Danach habe sie niemanden mehr kennen gelernt, sie habe weiterarbeiten müssen.

«Und es hat sich halt kein anderer Mann gemeldet», sagt sie und grinst. Martha Gisler hat einen aussergewöhnlichen Charme und Schalk. Auch traurige Geschichten erzählt sie mit einem Lächeln. Ich weiss nicht, wie ich wäre, wenn es nicht so streng wäre, das Leben. Die 85-Jährige zuckt nur mit den Schultern und sagt: «Ich kannte ja nichts anderes. » Viktor Maier ist Stadtzürcher — durch und durch. Er lebt seit zehn Jahren Wie viel Freizeit hat man im Leben?

Alterszentrum Kluspark und ist unweit Wie viel Freizeit hat man im Leben? hier im Kreis 8 aufgewachsen. Er war der jüngste und einzige Junge der Familie. «Natürlich bin ich verwöhnt worden! » Sein Vater war Schreinermeister, seine Mutter immer zu Hause gewesen. Das dürfe man heutzutage ja fast nicht laut sagen, aber er habe es «einfach das Schönste» gefunden, dass sie immer zu Hause gewesen sei.

Er machte eine Lehre in einer Färberei und arbeitete im Betrieb, bis er entlassen wurde. «Wie alle Färbereien in der Umgebung musste nach dem Krieg auch die unsere schliessen.

Im Ausland wurde viel billiger produziert. » Mit 29 heiratete er. Seine Frau wurde schwanger, aber die Ärzte hätten wegen ihrer Krankheit — sie litt an multipler Sklerose — zur Abtreibung gedrängt.

«Mit dem heutigen Wissensstand wäre das nicht nötig gewesen», sagt er traurig. Nach zwölf Jahren Wie viel Freizeit hat man im Leben? liess sich seine Frau scheiden. Er sei wohl zu selten zu Hause gewesen, gibt er zu.

Wie viel Geld braucht man im Monat zum Leben? (2021 in DE)

Seine Hobbys erforderten halt Zeit: Segeln, Skifahren und Reiten. Die Hälfte seines Lebens besass er ein eigenes Pferd. Bis vor 15 Jahren sass er fast täglich im Sattel. Er war über fünfzig, als er für eine Zürcher Nobelboutique zu arbeiten begann.

«Ich lernte so viele spannende Leute kennen. » Die ganze Goldküste habe bei ihm eingekauft. «Und die Fürstin von Liechtenstein! Das war eine lustige Frau. » Er erzählt Geschichten von den Schönen und Reichen — aber Namen nenne er nicht — und von den Löffeli-Codes im Café Sprüngli: Je nachdem, wie das Löffeli neben der Tasse lag, hätten junge Männer gewusst, dass die Millionärsgattin auf der Suche nach einem sexuellen und für den Lover finanziell lohnenden Abenteuer war.

Viktor Maier wollte nie mehr heiraten. Er habe Geliebte gehabt, die seien alle deutlich jünger gewesen als er: «So 20 Jahre Altersunterschied. » Seine längste Liaison nach der Scheidung hielt knapp ein Jahr. Er sagt, das grosse Glück habe er nicht mehr gefunden, aber er sei immer wieder glücklich gewesen. Die Autorin Yvonne Eisenring ist Autorin, Journalistin und Moderatorin.

Ihre Essays, Kolumnen und Fernsehreportagen wurden mehrfach ausgezeichnet. Sie doziert an der Hochschule Luzern und studiert Philosophie. Zusammen mit ihrer Schwester arbeitet sie an verschiedenen Film- und Medienprojekten und lebt abwechselnd in Zürich, New York und Paris.

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